Skip to main content

Polarlichter galten lange als etwas, das man nur aus dem hohen Norden kennt. Bilder aus Island, Norwegen oder Finnland prägten unsere Vorstellung dieses besonderen Naturphänomens. Doch in den letzten Jahren hat sich etwas verändert: Auch in den Alpen – und vereinzelt sogar in Tirol – wurden Polarlichter beobachtet. Rund um Söll und den Wilden Kaiser berichten immer mehr Menschen von ungewöhnlichen Lichtschimmern am Nachthimmel.

Diese Erscheinungen sind kein Zufall, sondern stehen in direktem Zusammenhang mit der aktuell erhöhten Sonnenaktivität. Die Sonne befindet sich in einer besonders aktiven Phase ihres Zyklus. Dabei werden vermehrt geladene Teilchen ins All geschleudert, die auf das Magnetfeld der Erde treffen. Ist diese Aktivität stark genug, dehnt sich die sogenannte Polarlichtzone weiter nach Süden aus – bis in Regionen, in denen man dieses Phänomen früher kaum für möglich gehalten hätte.

In Tirol kommen dafür gute Voraussetzungen zusammen. Abseits großer Städte ist die Lichtverschmutzung vergleichsweise gering, vor allem in den Abend- und Nachtstunden. In klaren Winternächten, wenn die Luft kalt und trocken ist, zeigt sich der Himmel besonders kontrastreich. Wer sich etwas außerhalb des Ortszentrums aufhält oder einen ruhigen Abendspaziergang macht, hat deutlich bessere Chancen, feine Lichtbewegungen wahrzunehmen.

Polarlichter erscheinen hierzulande meist nicht als spektakuläre, grelle Lichtbänder, sondern eher zurückhaltend. Oft zeigen sie sich als sanfter grünlicher oder rötlicher Schimmer, der sich langsam verändert und scheinbar über den Himmel zieht. Das menschliche Auge nimmt diese Lichter manchmal nur schwach wahr, während Kameras – selbst Smartphone-Kameras – die Farben deutlicher einfangen. Deshalb lohnt es sich, bei ungewöhnlichen Lichtverhältnissen kurz innezuhalten und genauer hinzusehen.

Besonders in den späten Abendstunden und rund um Mitternacht steigen die Chancen, sofern der Himmel wolkenlos ist. Dennoch bleibt die Beobachtung von Polarlichtern immer ein Glücksmoment. Sie lassen sich nicht planen und nicht erzwingen. Gerade diese Ungewissheit macht ihren Reiz aus und passt wunderbar zur stillen Winterlandschaft rund um Söll.

Ein solcher Moment – vielleicht nach einem aktiven Tag in den Bergen oder bei einem ruhigen Spaziergang durch die verschneite Umgebung – bleibt lange in Erinnerung.


Wer den Blick hebt, Geduld mitbringt und die Ruhe der Nacht genießt, kann mit etwas Glück ein Naturschauspiel erleben, das früher nur weit im Norden möglich war.

Leave a Reply

Close Menu